So entstand die Kunsteisbahn im Steinigsgrund
Der Eissport hat in Lauterbach und im Vogelsberg eine lange Tradition. Schon seit Großvaters Zeiten gingen die Eislaufbegeisterten auf den Weihern in der Umgebung der Stadt diesem sportlichen Vergnügen nach. Bereits um das Jahr 1890 wurde von dem Lauterbacher Casino Club eine Eislaufabteilung ins Leben gerufen, die eine Natureisbahn auf einem 100 Meter langen Weiher an der Fuldaer Straße unterhielt. Sonntags gab es hier regelmäßig Eiskonzerte. Es waren bereits überdachte Kleiderablagen vorhanden und am Teich brannte ein Lagerfeuer. 1937, nachdem bis dahin drei Jungen beim Eislauf eingebrochen und ertrunken waren wurde der Eissport auf den Weihern eingestellt.
Erst viel später lebte der Eissport, besonders auf dem Weiher in Sickendorf durch die Jugend aus Heblos, Allmenrod und Sickendorf wieder auf. Heinrich Peter und Fred Henning waren es, die im Jahre 1961 eine Eishockeyabteilung beim HAS Heblos ins Leben riefen. Auf dem Sickendorfer Weiher fanden auch die ersten Eishockeyspiele statt. Das erste Spiel gegen eine Mannschaft aus Fulda ging mit 3:2 verloren.
Der Weiher in Sickendorf wurde aber bald zum Löschteich ausgebaggert und stand den Eislaufanhängern nicht mehr zur Verfügung. Man wurde wegen eines Eislaufplatzes in Lauterbach beim Magistrat vorstellig. Eine noch zu gründende Vereinigung wollte den Ausbau eines entsprechenden Platzes vorantreiben.
Im Juli 1963 wurde im Café Schneider der VERC (Vogelsberger Eis- und Rollschuh-Club Lauterbach) gegründet und die Stadt Lauterbach stellte dem VERC den Weiher im Steinigsgrund zur Verfügung, der in gemeinschaftlichem Bemühen und unter Mitwirkung einer Lauterbacher Baufirma auf die Maße 60 x 30 m gebracht wurde.
Das erste Spiel im neuen Natureisstadion fand am 26. Dezember 1963 gegen den TEV Kronberg/Taunus statt, es folgten Spiele gegen Eintracht Frankfurt, den REC Heppenheim und die Deutschen Vizemeister im Eiskunstlauf Margit Glockshuber und Klaus Esch zeigten ihre Kür. Über 800 Zuschauer kamen jeweils zu den Auftaktveranstaltungen. Der Eissport hatte die einheimische Bevölkerung gefangen. Die Begeisterung schlug hohe Wellen. Vertreter aus Stadt und Land erklärten sich bereit dafür zu sorgen, dass Lauterbach eine Kunsteisbahn bekommen sollte.
Mit Hilfe des 23. Pionierbatallions der US-Army wurde im Juni 1964 die Grube für die Kunsteisbahn ausgehoben. Sie entlastete die späteren Baukosten um 25000 Mark. Darüber hinaus verpflichteten sich Mitglieder und Gönner des Vereins zu Eigenleistung in bar und Sachspenden in einer Gesamthöhe von über 100 000 Mark.
In der Stadtverordnetensitzung am 9. Oktober 1964 wurde dann der einstimmige Beschluss zum Bau dieser Kunsteinbahn gefasst.
Es sollten aber noch viele Jahre vergehen bis das Vorhaben endlich realisiert wurde. 1966 sollte eigentlich mit dem Bau begonnen werden, aber plötzlich war man sich in der Frage Kunsteistadion oder Hallenbad nicht mehr einig.
Der VERC war es der in all den Jahren des Wartens die Gedanken an eine Kunsteisbahn in Lauterbach hoch hielt.
Der Verein beteiligte sich weiterhin am Spielbetrieb des DEB. Fast ohne Einnahmen, man musste in Bad Nauheim nachts zwischen 22 Uhr und 24 Uhr trainieren und auch spielen. Die Heimspiele mussten in Bad Nauheim vor einer spärlichen Zuschauerkulisse stattfinden. Trainingszeiten und Heimspiele mussten bezahlt werden. Die Spieler fuhren mit eigenen Pkws zu den Spielen, bezahlten Fahrtkosten und Ausrüstung zum Teil selbst. Nur durch viel Idealismus und Zusammenarbeit aller konnte sich der Verein über Wasser halten.
Das Projekt Kunsteisbahn wurde nicht aufgegeben. Seine Befürworter , neben dem VERC vor allem der Verkehrsverein, Parlamentsabgeordnete, Geschäftsleute, Gastwirte und zahlreiche am Sport und an der Weiterentwicklung Lauterbachs interessierte Bürger, hofften dass sich ihre Argumente durchsetzen würden.
Ende 1968 gründeten diese Enthusiasten den „Förderkreis zur Errichtung einer Kunsteisbahn in Lauterbach". In einer groß angelegten Zeitungskampagne wurden die Bürger der Stadt und des Kreises Lauterbach über die Kunsteisbahn informiert und die Parlamentarier daran erinnert, ihren einstimmigen Beschluss vom 9. Oktober 1964 zum Bau einer Kunsteisbahn bald in die Tat umzusetzen.
Die Anzeigen überzeugten schließlich, dass eine Kunsteisbahn für Lauterbach finanziell tragbar sei und sie ein Gewinn für Lauterbach bedeuten würde. Vor allem der Jugend sollte die Möglichkeit gegeben werden, sich in frischer Luft sportlich zu betätigen.
Eine Spendenaktion lief an und erbrachte den Betrag von insgesamt 90 380 Mark. Darüber hinaus verpflichteten sich weitere Gönner des Clubs für die laufenden Unterhaltungskosten der Kunsteisbahn für mindestens zehn Jahre mit einem Gesamtbetrag von 17 900 Mark ein zuspringen.
Dieser Initiative und dem somit zum Ausdruck gebrachten Willen der Bevölkerung schloss sich das Stadtparlament an und im Februar 1969 wurde die Frage der Kunsteisbahn wieder aufgegriffen. Am 6. Mai fand die nächste entscheidende Besprechung statt.
Im Landratsamt trafen sich Stadt- und Kreispolitiker, Bürgermeister Fiedler, Landrat Vieregge, Mitglieder des Förderkreises und der Vorsitzende des VERC, A. Schönheit, mit dem Sportdezernenten der Hessischen Landesregierung, Regierungsdirektor Heinz Fallak. Regierungsdirektor Fallak brachte auch im Namen von Innenminister Schneider zum Ausdruck, dass die Landesregierung die Bürgerinitiative begrüßte und dem Projekt seine Unterstützungen nicht versagen werde.
Auch das Hessische Fernsehen beschäftigte sich in der Sendung "Kunsteisbahn in Lauterbach geplant" mit dem Problem. Wenige Tage später genehmigten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung über den Haushaltsetat die Mittel für die Kunsteisbahn.
Somit war der Startschuss gefallen. Das Ing. und Planungsbüro Deyle in Stuttgart wurde mit der Planung beauftragt.
Im August 1970 begannen dann die Bauarbeiten und am 2.Januar 1971 war es dann endlich soweit, der lang ersehnte Traum von einer Kunsteisbahn für Lauterbach ging in Erfüllung.
Die Eisbahn in Lauterbach gehörte somit zu den ersten 65 Kunsteisstadien Deutschlands. (aktuell sind es 249 in Deutschland)
Es entwickelte sich schnell ein aktives Vereinsleben neben Eishockey gab es Eiskunstlauf, Eisstockschießen und Curling. Besonders viele Jugendliche nahmen das Angebot Eissport zu betreiben wahr. Der Leistungssport wurde verbessert und bald fanden auch internationale Wettkämpfe statt.
Viele Besucher, auch weit über Hessens Grenzen hinaus kamen zum Schlittschuhlaufen. Lauterbach wurde attraktiver wovon auch der Einzelhandel und die Gastronomie schnell profitierten
Nachdem neben Freibad und Eisbahn1976 noch das benachbarte Hallenbad und später die Tennishalle hinzukamen, hatte Lauterbach ein einmaliges Sport und Freizeitzentrum das seines gleichen in der Region suchte und immer wieder zehntausende von Besuchern anlockte.
Die Überdachung in 1989 rundete die Geschichte um den Bau der Lauterbacher Eisbahn ab. |